Rihanna reagiert auf Tod von George Floyd

Montagabend, der 25. Mai 2020, gegen 20:00 Uhr in Minneapolis im US-Bundesstaat Minnesota: George Floyd wird vorgeworfen in einem Supermarkt mit einem gefälschten 20 Dollar-Schein gezahlt zu haben. Routinemäßig wird die Polizei hinzugerufen, doch der Ausgang des Einsatzes ist alles andere als üblich.

Gegen Polizist Derek Chauvin lagen zuvor schon 18 Beschwerden wegen Amtsmissbrauch vor.

Wie Videoaufnahmen belegen leistet der 46-Jährige keinen Widerstand. Für die Polizisten bestand keine Gefahr, immerhin war Floyd unbewaffnet. Trotzdem wird Verstärkung hinzugerufen. Trotzdem wird er mit angelegten Handschellen auf den Boden gedrückt. Ein Polizist auf dem Rücken, einer auf den Beinen und Derek Chauvin (44) mit seinem Knie auf dem Hals. Minutenlang gibt dieser die Worte „ich kann nicht atmen“ von sich. Selbst als dieser bewusstlos wird und seine Nase beginnt zu bluten, bleibt das Knie über acht Minuten stramm auf der Luftröhre. Das Video der Tat, festgehalten von der dunkelhäutigen Darnella Frazier (17), geht daraufhin viral. Im Krankenhaus wird Floyd später für tot erklärt.

Rassismus-Debatte wieder entfacht

In den USA kein Einzelfall: Mehr als 1.200 Schwarze kamen seit 2015 bei Polizeieinsätzen ums Leben. Während Chauvin von weißer Hautfarbe ist, ist Floyd offensichtlich Afroamerikaner. Der erneute brutale Polizeieinsatz mit Todesfolge hat daher die ganze Welt berührt und schockiert. Vor allem in Minneapolis gehen die Menschen auf die Straßen und protestieren. Auch viele Stars haben sich den Protesten schon angeschlossen. Rihanna, die sich aufgrund der Corona-Krise in Los Angeles aufhält, verbreitete am späten Abend des 29. Mai ihre Meinung zum Thema:

Rihanna: Derek Chauvin ist ein Mörder

Das Ausmaß von Schmerz, Wut und Trauer hat mich die letzten Tage ziemlich überwältigt. Es löst tiefe Trauer in meinem Herzen aus, wenn ich sehen muss, wie meine Leute Tag für Tag getötet und unnötig umgebracht werden. Ich wollte nicht einmal mehr online kommen, um die Furcht-einflößende Qual in George Floyds Stimme nicht mehr hören zu müssen, wie er immer wieder um sein Leben bettelt.

Der Anblick der Verlockung, die pure Freude und der Höhepunkt im Gesicht dieses Fanatikers, Mörders, Verbrechers, Schweins, Penners, Derek Chauvin, verfolgt mich. Ich kann es nicht von mir abschütteln. Ich komme nicht darüber hinweg, dass ein Krankenwagen zu einer Verhaftung hinzugerufen werden muss, und dass ein Sanitäter den Puls checkt, ohne die Quelle zu beseitigen, die verhindert hat, dass der Puls überhaupt aufhören konnte zu schlagen. Ist das wirklich die Normalität? Wenn das absichtliche Töten eine angemessene Konsequenz für „Drogen“ oder „widersetzte Verhaftung“ ist… welche Konsequenz zieht dann Mord mit sich?

Polizisten vom Dienst entlassen

Nachdem am Tag nach der Tat alle vier beteiligten Polizisten in den bezahlten Urlaub geschickt wurden (26. Mai), begannen die Demonstrationen. Von Gerechtigkeit kann nicht gesprochen werden: Als im Jahr 2017 ein schwarzer Polizist in derselben Stadt eine weiße Frau erschossen hat, wurde er für 12,5 Jahre wegen Mordes hinter Gittern gesteckt. Die ersten Proteste zeigten aber auch schnell ihre Wirkung: Alle vier Polizisten wurden noch am selben Abend entlassen. Das FBI kündigte ihre Unterstützung bei den Ermittlungen an und verkündete diesen mit „höchster Priorität“ bearbeiten zu wollen.

Am 29. Mai wurde Chauvin letztendlich verhaftet und wegen Mord dritten Grades und Totschlag zweiten Grades angeklagt. „Mord dritten Grades“ wird in den USA in nur fünf Bundesländern verhängt. In Minnesota bezeichnet der Anklagepunkt eine Handlung mit Todesfolge ohne explizite Absicht zu töten. Der Täter ist sich in dem Fall bewusst ein ungewöhnlich hohes Risiko einzugehen, will aber eigentlich gar nicht töten. Kurioserweise fällt sogar eine Abtreibung darunter. In beiden Fällen gibt es eine maximale Haftstrafe von 25 Jahren. Ob und wie auch die anderen drei beteiligten Polizisten angeklagt werden, werde noch überprüft, wie Bezirksstaatsanwalt Michael Freeman bei einer Pressekonferenz bekanntgab. Die Proteste dauern daher noch an.

Trump legt Öl ins Feuer

Doch es ist nicht nur die Gesetzeslage, das die Proteste weiter anfeuert. Selbst Donald Trump gießt mit seinen provozierenden Tweets nur noch Öl ins Feuer: Er bezeichnet die überwiegend schwarzen Demonstranten als „Thugs“ (dt. Gangster) und kündigt an kein Problem damit zu haben, wenn die hinzugerufene Nationalgarde auf sie schieße. Nachdem Twitter seine Tweets als gewaltverherrlichend deklarierte, unterschrieb Trump noch am selben Tag eine Verfügung gegen soziale Netzwerke.

Chauvin und Floyd kannten sich

Während der Proteste wurden zahlreiche Gebäude niedergebrannt. Dem Gouverneur von Minnesota, Tim Walz, zufolge seien diese hauptsächlich von Weißen verursacht oder gestellt worden.

Noch viel schlimmer wurde es, als weitere Hintergründe bekannt wurden: Polizist Chauvin und Floyd kannten sich. Gemeinsam haben sie jahrelang im Security-Team eines Clubs gearbeitet. Kann hier noch von unabsichtlichem Mord gesprochen werden? Warum haben die Handschellen nicht ausgereicht? Warum musste er von gleich drei Polizisten und mit dem Knie am Hals auf den Boden gedrückt werden? Auch der erste Autopsie-Bericht ließ Zweifel an der Befangenheit des amerikanischen Rechtssystems aufkommen. Statt an Atemstillstand oder Erdrosseln soll Floyd aufgrund von Einzwängen in Kombination mit diversen Herz- und Gesundheitsproblemen sowie Rauschmitteln im Körper gestorben sein. Eine zweite, unabhängige Autopsie wurde von Floyds Familie angeordnet.

Floyd war ein Mann voller Respekt

Wie seine Verlobte Courteney Ross in einem WCCO-Interview angab, war Floyd ein liebevoller Mann, der sich vor allem gegen Diskriminierung einsetzte. Vor erst wenigen Jahren zog er aus Texas nach Minnesota, um neu durchzustarten. Wegen eines Raubüberfalls saß er von 2009 an für fünf Jahre im Gefängnis, ließ sich danach aber nichts mehr zu Schulden kommen. Sein ehemaliger Arbeitgeber, Jovanni Thunstrom, kann das bestätigen: „Er respektierte jeden Menschen gleichgültig. Das haben wir so sehr an ihm geliebt.“ Floyd hinterlässt zwei Töchter im Alter von 6 und 22 Jahren. In seiner letzten Videobotschaft kritisierte Floyd das Benehmen der jungen Generation: „Eines Tages steht ihr Gott gegenüber. Ihr werdet hoch oder runter gehen.“ Auch seine Verlobte gab an, dass er nicht gewollt hätte, dass mit so viel Hass auf seinen Tod reagiert wird.

Wie auch wir helfen können

Rassismus betrifft nicht nur Schwarze. Wir alle sollten unsere Meinung kundgeben und für Gleichberechtigung kämpfen. Im Internet können wir zahlreiche Petitionen unterstützen und Gelder an Projekte der #BlackLivesMatter-Bewegung sowie an die Familie von Floyd spenden. Innerhalb von zwei Tagen kamen bei der offiziellen Spendenaktion schon über 3.6 Millionen Dollar zusammen. Auch in Deutschland werden Kundgebungen gegen rassistische Gewalt veranstaltet.

Viel wichtiger als Geldspenden, eine Demo und eine Hashtag ist aber Bildung. Nur wer sich ausreichend über die Historie von Schwarzen, der Unterdrückung und der Gewalt gegenüber der Rasse informiert, wird nicht selbst zum Rassisten und versteht, dass man vor allem als Weißer gewisse Privilegien genießt. Kein Rassist zu sein, reicht nicht aus. Anti-Rassist sollte die Regel sein.

Rihannas Stiftung engagiert sich

Schon bei den diesjährigen NAACP Image Awards, bei denen Rihanna einen Sonderpreis für ihr Engagement für Schwarze erhielt, machte sie uns bewusst, dass wir alle involviert sind. Gerichtet an das überwiegend dunkelhäutige Publikum sagte sie: „Viele von uns haben Freunde aus anderen Rassen. Sie würden ihr Brot mit uns teilen. Wenn sie uns mögen, dann ist Rassismus auch ihr Problem. Wenn wir marschieren, protestieren und im Netz unsere Meinung kundgeben […], müssen auch unsere Freunde mitmachen.

Auch Rihannas Clara Lionel Foundation hat sich dem Fall bereits angenommen und fordert nicht nur Gerechtigkeit für Floyd, sondern vor allem, dass die Polizisten wegen Mordes angeklagt werden.