Diese Rihanna-Songs schafften es nicht auf „ANTI“

Zwei ursprüngliche Tracklists zum achten Rihanna-Album ANTI aus dem Jahr 2015

Dass Songs für Alben aufgenommen, aber nie veröffentlicht werden, ist gar nicht mal so selten. Allein von jamaikanischen Künstlern soll Rihanna für ihr kommendes Studioalbum „R9“ (Kosename) schon „über 500 Songs zugeschickt“ bekommen haben. Dass die nicht alle auf eine Disk passen können, liegt quasi auf der Hand.

23 unveröffentlichte Rihanna-Songs

Es kommt daher auch selten vor, dass wir Einblicke hinter die Kulissen erhalten. Mit ihrem Fotobuch hat Rihanna das jetzt geändert: Anhand von gleich drei vorübergehenden Tracklists bekommen wir einen exklusiven Einblick in gleich zwei verschiedene Produktionsphasen des Studioalbums „ANTI“. Auf das finale Produkt, welches am 28. Januar 2016 erschien, schafften es inklusive der Bonus-Tracks am Ende 16 Songs. Auf den Tracklists im Buch erkennen wir aber, dass es 32 weitere Titel zumindest bis ins Aufnahmestudio geschafft haben. 23 davon wurden nie veröffentlicht, 7 kamen über andere Rihanna-Projekte ans Licht und zwei weitere landeten später bei der Konkurrenz.

Erste Tracklist des ursprünglichen „ANTI“

Tracklist des Rihanna-Albums ANTI (Stand 2015)
Diese erste Tracklist zu „ANTI“ entstand im Frühjahr 2015.

Rihanna und ihr Team schreiben ihre Fortschritte im Studio gerne auf einer Whiteboard oder zumindest auf einem Zettel auf. Schnappschüsse davon bekamen wir bislang nur selten vor Gesicht. Doch jetzt enthüllt uns Rihanna mit einer ersten Tracklist: „Lemon“ sollte eigentlich auf „ANTI“ erscheinen. Unklar ist, ob der Titel schon zu dem Zeitpunkt in Zusammenarbeit mit N.E.R.D aufgenommen wurde. Letztendlich erschienen ist „Limone“ am 1. November 2017 nämlich als Comeback-Single der Rock-Funk-Band. Rihanna rappt darin in der zweiten Strophe.

Auch eine zweite Nummer aus der Musikgenre Rap/Hip Hop wurde am Ende wieder von der eigenen Tracklist gestrichen. In der Liste der „Songs, die bezahlt wurden“ befindet sich auch „Ain’t Non Of This Shit Promised“ wieder. Unter dem neuen Titel „Nothing’s Promised“ erscheint dieser nur wenige Monate nach „ANTI im Juni 2016 doch noch auf einem Album des Produzenten Mike Will Made It.

2015-Singles sollten auf ANTI

Schon im Jahr zuvor veröffentlichte Rihanna ohne jeglichen Zusammenhang drei „Promo-Singles“ aus der Tracklist: „FourFiveSeconds“, „Bitch Better Have My Money“ sowie „American Oxygen“. Für Rihanna war das eher ungewöhnlich. Nie zuvor hatte sie Singles inkl. einem Musikvideo veröffentlicht, ohne diese auf einem Album zu hinterlegen. Dabei waren auch diese laut der Tracklist ursprünglich mal für „ANTI“ gedacht. Es ist daher wahrscheinlich, dass sich Rihanna mit den vorab veröffentlichten Singles mal austesten wollte: Soll ich jetzt mehr Rap-Songs auf den Markt bringen? Kann ich auch Acoustic-Folk- bzw. politisch angehauchte Musik zum Charterfolg machen? Was daraus wurde, ist unklar – wahrscheinlich erschien das Album einfach viel zu spät.

Warum es die restlichen Songs nie ans Tageslicht geschafft haben, bleibt ungeklärt. Zu diesen Titeln gehört auch „Drop That„. Der von Jacob Plant komponierte Song landete noch vor „ANTIs“ Veröffentlichung auf dem von Rihanna mit-produzierter Filmmusik zu Dreamworks-Animationsfilm „Home (März 2015). Und auch „Sledgehammer“ landete am Ende auf einem Soundtrack. Obwohl Rihanna Zeilen aus dem Songtext schon im Mai 2014 getwittert hat, erschien „Vorschlaghammer“ erst am 30. Juni 2016 als Titelsong zum neuen Star Trek-Film „Beyond. All diese Fakten geben uns Hinweise darauf, in welchem Zeitraum die abfotografierte Tracklist noch ihre Gültigkeit gehabt haben muss: Im Frühjahr 2015.

Kanye West co-produzierte das Album

Denn auch eine andere Information ist allbekannt: Bei den Grammy Awards 2015 (08.02.) kündigte Kanye West an, dass er das neue Rihanna-Album (zu dem Zeitpunkt noch „R8“ genannt) produzieren würde. Noch am selben Abend gaben beide zusammen mit Paul McCartney die erste Live-Performance zur gemeinsamen Single „FourFiveSeconds“. Doch am 21. Januar 2016 – und somit eine Woche vor Veröffentlichung – antwortet Rihanna einem Fan via Twitter plötzlich, dass Kanye nicht mehr am Album beteiligt sein soll: „Wir arbeiten gerade an unseren eigenen Projekten.“ Gut möglich, dass die Vorstellungen der beiden am Ende zu weit auseinander gingen. Unklar war zu der Zeit aber noch, wann genau die Zusammenarbeit zerbrach. Auf dem letztendlichen Album war er an keinem einzigen Song mehr beteiligt. An den im Vorjahr erschienenen Singles „FourFiveSeconds“, „Bitch Better Have My Money“ und auch „American Oxygen“ schrieb und produzierte er noch mit.

Die Tracklist auf dem Notizzettel entstand somit noch in einer Zeit mit Kanye West als Co-Produzent. Die Tatsache, dass alle Songs anscheinend schon bezahlt wurden, spricht für eine beinahe finale Tracklist. 8 der 21 Songs vom Notizzettel bekamen wir nie zu hören und 6 über andere Wege (z.B. Soundtrack). Die letztendlichen „ANTI“-Songs Consideration, Work, Desperado, Woo, Needed Me, Yeah I Said It, Same Ole‘ Mistakes, Higher, Sex With Me und Pose existierten zu dem Zeitpunkt noch gar nicht.

Same Old Love“ stand hingegen noch drauf. Von der Nummer hat sich Rihanna aber am schnellsten verabschiedet. Der Song erschien bereits im Oktober 2015 auf einem Studioalbum von Selena Gomez. Dass Rihanna den Song aber auch aufnahm, bewies uns eine Leak im Mai 2018. Knapp 14 Sekunden aus dem Refrain in der Rihanna-Version schafften es damals an die Öffentlichkeit. Geschrieben und produziert wurde der Song vom selben Team, welches auch schon hinter „Diamonds“ steckte (Sia ausgenommen). Von den restlichen Titeln „Ah!“, „Taurus“, „Power“, „Let Me In“, „I Hate It“, „Precious Time“ und „Cigarattes & Lipstick“ haben wir bis zur Fotobuch-Veröffentlichung nie was mitbekommen. Auch diese sieben Titel befinden sich auf derselben ersten Tracklist.

Zweite Tracklist aus dem Buch

Diese zweite Tracklist zu „ANTI“ entstand im Oktober 2015.

Auf einer zweiten Tracklist, die hinter einem Foto von Rihanna und ihrer ehemaligen Assistentin Jennifer Rosales zu sehen ist, befinden sich wiederum ganz andere Songs. Ihrer Frisur nach zu urteilen, muss das Foto ungefähr im Oktober 2015 aufgenommen worden sein. Am 24. Oktober performte Rihanna auf dem „We Can Survive“-Konzert mit blauen Strähnen im ansonsten schwarzen Haar. Zur selben Zeit filmte Rihanna auch ihre ANTI Diary“-Filmchen und nahm das dazugehörige Album in Malibu auf. 29 Songs stehen auf der Tracklist.

Von den Singles aus dem Jahr 2015 ist hier keins mehr drauf, auch „Lemon“ sowie „Nothing Is Promised“ sind verschwunden. Dafür kamen „Pose“, „Higher“, „Yeah I Said It“, „Woo“ und „Needed Me“ dazu. Aus der vorherigen Liste schafften es – abgesehen von den finalen „ANTI“-Tracks – lediglich „Let Me In“ sowie „Sledgehammer“ in die neue Auswahl. Trotzdem befinden sich noch weitere 16 Songs darauf, die am Ende gar nicht erschienen: Guess It Don’t Matter, Pretty Nonsense, Only One, Closer, Joyride, Body Soul & Mind, One Way Ticket, Lock & Key, Brand New, Dem Company, Walk Away, PND, Body Language, Humans, Suffer, Nephew und Abort.

Dabei sind uns nicht alle unbekannt. Mit „Brand New“ ist der letztendliche Titel „Same Ole Mistakes“ gemeint, den Rihanna von der Band The Tame Impala coverte, nachdem sie ihre eigene Version im Juli 2015 veröffentlichten. „Just Feel It“ hingegen leakte nach einer ersten Hörprobe im Juni 2018 nur drei Monate darauf auch in seiner Gesamtlänge. Die Ballade wurde von James Fauntleroy geschrieben, der zuvor auch schon an „James Joint“ und an 6 von 13 Songs auf dem vierten Rihanna-Album „Rated R“ mitgewirkt hat.

Songs wurden vorab/danach registriert

Vier der Titel machten schon durch ihre Registrierungen auf sich aufmerksam. Die von Timbaland und Tink produzierte Nummer „Pretty Nonsense“ wurde im Oktober 2015 im Bestand der Musikrechts-Organisation BMI registriert. Noch im November war sich Tink sicher, dass der Song auch auf „ANTI“ landen würde. Zumindest schrieb er das auf Twitter. Im vorherigen Mai wusste er das anscheinend noch nicht: Auf einem Festival stellte er den Song bereits vor (nicht in der Rihanna-Version). Auch in „Absoluter Blödsinn“ hätte sie gerappt und mit ihrem Ruhm geprahlt.

Tracklist des Rihanna-Albums ANTI (Stand Oktober/November 2015)
Auf diesem Foto wurde die Whiteboard noch nicht vollständig mit allen Titeln ausgefüllt. Woo und Needed Me fehlen, sind auf dem anderen Foto aber eingetragen.

Body Language„, „Lock & Key“ und „Joyridewurden im April 2016 – und somit Monate nach der Veröffentlichung von „ANTI“ – registriert. Trotzdem tauchten die Songs schon auf der ursprünglichen Tracklist des letzten Rihanna-Albums auf. Gut möglich, dass Rihanna den Songs ein zweites Leben schenken wollte bzw. immer noch will. Lediglich „Joyride“ wird garantiert nicht mehr mit Rihannas Stimme erscheinen. Im April 2018 veröffentlichte Sängerin Tinashe die Nummer als Titeltrack ihres gleichnamigen Albums. Die gab in einem „Vulture“-Interview noch an, dass der Song ohne ihre Kenntnisnahme an Rihanna weiterverkauft wurde: „Ich schrieb den Titel für mein eigenes Album und habe dann irgendwann erfahren, dass sie die Rechte daran erworben hätte. Ich weiß immer noch nicht wie das passieren konnte. Als es dann nicht auf ihrem AlbumANTI gelandet ist, wollte ich den Song unbedingt zurückhaben.

Never Ending“ tauchte in der zweiten Tracklist übrigens nicht mehr auf und das obwohl der Titel in der ersten Tracklist und auch auf dem finalen Album ein zu Hause fand. „Consideration“ und „Work“ schienen bis zum Oktober 2015 derweil gar nicht existiert zu haben. Beide Titel stehen auf keiner der Tracklists. Wäre „ANTI“ – wie ursprünglich geplant – im November 2015 erschienen, hätten wir die Lead-Single in Zusammenarbeit mit Drake daher wohl nie zu hören bekommen.

Das Fotobuch, in dem die Fotos abgedruckt sind, erscheint am 24. Oktober. Hier erfahren wo es das 8.5kg schwere Buch zu kaufen gibt. Abgesehen von den Tracklists sind im Buch auch Songtext-Passagen aus den nie veröffentlichten Songs gedruckt.

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