Rihanna gründet eigenes Modelabel „FENTY“: Fakten, Meilensteine und Beweggründe

Rihannas FENTY-Modelabel-Logo

Es war der 24. Mai 2005 als das einstige „Inselmädchen“ sprunghaft den Promi-Status erlangte. “Pon De Replay“ erschien als Rihannas Debütsingle auf dem weltweiten Musikmarkt. Viel ist seither geschehen, etliche Projekte sind erschienen – viele weitere FENTY-Unternehmen etablierten sich. Übermorgen (24.05.2019), und somit exakt 14 Jahre darauf, probiert sich Rihanna erneut aus. Doch ihren Vornamen lässt sie dabei bewusst heraus: Bei FENTY wagt sie sich nun an ihre erste eigene Modelinie!

Spätestens seither Rihanna 2008 die Modewelt für sich entdeckte und ihre ersten eigenen Stylisten anstellte, wusste sie bereits: „Eines Tages möchte ich mehr als bloß Musik machen.“ Nur drei Jahre darauf gab es die erste „Capsule“-Kollektion für Armani. Eine eigene Designer-Competition folgte auf weitere gemeinsame Modelinien mit River Island und Puma. Doch nun wird es ernst: Rihanna bündelt all ihre Kompetenz mit dem Know-How und dem Netzwerk der Luxusgütergesellschaft LVMH (14 Milliarden Euro schwer). Für sie kein unbekannter Partner: Das französische Unternehmen etablierte auch schon Rihannas weit bekannte und erfolgreiche Kosmetiklinie FENTY Beauty.

Rihanna mit LVMH-CEO Bernard Arnault auf der Dior Paris Fashion Week-Show (02.10.2015)Über 500 Millionen Euro Umsatz allein in den ersten zwölf Monaten? Da war sich LVMH-CEO Bernard Arnault sicher: Mit Rihanna, als anerkannte Persönlichkeit unter den Millennials, lässt sich gutes Geld verdienen. Doch allen Anschein nach, konnte er das schon im Vorfeld prophezeien: Immerhin wurde das Dachunternehmen über „FENTY“ bereits im Juli 2017 registriert – und somit zwei Monate vor dem Launch von FENTY Beauty. Unter dem Namen „Project LOUD France“ wurde heimlich und still in Paris die neue Modelinie rund um ihren Nachnamen konzipiert. Um das Ganze noch ein wenig komplizierter zu machen, hat sich Rihanna eigens für das Projekt sogar noch eine eigene Holding-Gesellschaft gegründet. Geschäftsführer der „Denim UK Holding“ sind neben Rihanna auch noch zwei ihrer Anwälte sowie ihr Roc Nation-Manager und „Ziehvater“ Jay Brown. Rihanna ist daher nicht nur beteiligt am eigentlichen Label, sondern auch an den zwei Unternehmen, die sogar noch über der eigenen Marke stehen.

Für Rihanna eine Besonderheit. Immerhin wurde nicht bloß irgendeine Marke angekündigt, sondern ein neues Luxuslabel – und die etablieren sich bzw. entstehen eher selten. LVMH – zu dem auch Marken wie z.B. Louis Vuitton, Céline, Dior, Givenchy und Marc Jacobs zählen – launchte nämlich schon seit 1987 kein neues Label mehr. So viel Vertrauen muss man einer Person erst einmal schenken! Immerhin zählt Rihanna nicht nur zur ersten Dunkelhäutigen, sondern sogar zur aller ersten Frau, die jemals eine eigene LVMH-Marke gründen durfte. Und viel Geld ist ja auch im Spiel: Allein Rihanna ließ im Dezember 2018 aus eigener Tasche stolze 30 Millionen Euro in das Projekt einfließen, LVMH verdoppelte das Vermögen sogar.

Dementsprechend ist das Unternehmen auch aufgeteilt: Rihanna besitzt 49.9% der Unternehmensanteile, die Dachmarke ist damit Mehrheitseigner von FENTY. Dennoch hat Rihanna viel zu sagen, ist doch immerhin als CEO nicht nur letztendliche Entscheiderin, sondern als „Artistic Director“ auch Hauptdesignerin. Von einer Minderheit oder einem Geschäft, welches bloß ihren Namen ausnutzt, kann daher nicht gesprochen werden. Denn auch zahlenmäßig setzt Rihanna Maßstäbe: Rihanna mit ihrem Stylisten Jahleel WeaverSchließlich gehört z.B. der Fendi-Familie nur 16% der eigenen Marke und selbst Dior vergnügt sich mit einem Anteil von 42%. Viel eher stehen daher die Vorteile einer solchen Partnerschaft im Vordergrund. Das Netzwerk beider Parteien ist Gold wert. So übernimmt Jean Baptiste Voisin (der aktuelle CSO von LVMH) als COO das operative Geschäft von FENTY, während er an Rihanna berichtet. Und auch sie bringt ihre eigenen Fachkräfte mit: Rihanna und ihre Designerin Melissa BattifaranoIhr langjähriger Stylist Jahleel Weaver ist als Style Director involviert und gab über Instagram bekannt, dass zumindest die erste Kollektion schon im letzten Jahr in Paris kreiert wurde. Auch Melissa Battifarano ist mit eingebunden. Zu FENTYxPuma-Zeiten war sie noch als Designerin bei Puma eingestellt. Nach Ablaufen des Vertrags warb Rihanna sie ab und stellte sie im eigenen Unternehmen „FENTY Corp“ als Design Director ein. Seither ist sie verantwortlich für jegliche Design-Kooperationen, wie auch schon zur Unterwäschelinie Savage X Fenty.

Rihanna auf dem Cover des "T"-Magazin (USA, Spring 2019-Ausgabe)Nachdem die erste FENTY-Kollektion auch schon zum Teil in Rihannas jüngster “T“-Magazin-Ausgabe präsentiert wurde, launcht die komplette Kollektion am 29. Mai auf FENTY.com. Und genau da soll die auch bleiben: Die Marke soll es ausschließlich online zu kaufen geben. Laut aktueller Strategie sind nämlich weder eigene Stores noch Verkäufe über Warenhäuser bzw. Drittanbieter geplant. Lediglich zum Verkaufsstart soll es in Paris ab dem 24. Mai einen Pop-Up-Store geben (Location noch unbekannt). Daraufhin soll es beinahe jeden Monat eine neue Drop geben und das ohne eine Präsentation auf einer Fashion-Week. Rihanna möchte die Shopping-Gewohnheiten damit auf den Kopf stellen und sofort shoppen können, ohne auf die Release einer Kollektion warten zu müssen.

Wie auch schon mit ihrer Kosmetik- und der Unterwäschelinie, soll auch das neue Projekt vor allem auf Diversität setzen und neben Schmuck, Sonnenbrillen, Handtaschen und sonstigen Accessoires, vor allem auch Kleidung für üppigere Körpermaße anbieten. Die Größentabelle ihrer Kleidung soll nämlich bis zu einer 46 bzw. XXL gehen. In der Luxusgüterbranche eine Seltenheit: Lediglich 0.6% aller Kleidungsstücke aus der Luxussparte decken in den USA sowie in Großbritannien Plus-Size-Größen ab. Rihanna möchte das aus einem persönlichen Grund ändern, wie sie im „T“-Magazin verriet: “Ich bin aktuell selbst etwas fülliger und habe Kurven, ich sollte daher schon meine eigenen Entwürfe tragen können, richtig?“

Und auch auf neue Zielgruppen wird gesetzt. Während viele andere Luxuslabels sich dabei quälen die Generation der Jahrtausendwende, die sogenannte „Generation Y“, anzusprechen, soll Rihanna es nun richten. Genau das habe bei FENTY Beauty ja auch schon geklappt: Jede dritte Suchanfrage auf Sephora.com (ebenfalls ein LVMH-Unternehmen, welches FENTY Beauty vertreibt) wurde mit der Intention „FENTY“-Produkte zu finden, getätigt. Genau deshalb soll Rihanna auch die firmeneigenen Bereiche der Vermarktung und Kommunikation im Auge behalten. Die erste Werbekampagne wurde daher von ihr selbst geschossen, während die ersten Social Media-Auftritte schon nach 24 Stunden über 200.000 Abonnenten aufweisten (Instagram).

Für die Präsentation der ersten Kollektion befindet sich Rihanna mit ihrem Team nun schon seit einer Woche in Paris. Neben einer Preview-Day für Pressemitglieder (18.05.), gab es gemeinsam mit Fußballer Neymar auch schon eine kleine Einweihungsparty (20.05.) in der Stadt der Liebe und zeitgleich Hauptsitz der neuen Marke. Rihanna mit Neymar auf einer Party in Paris (20. Mai 2019)Produziert wird jegliche Ware derweil auf italienischem Boden. Während die ersten Gerüchte zum Thema übrigens schon am 17. Januar 2019 online gingen, kündigte LVMH das Unternehmen erst am 10. Mai in einer offiziellen Pressemitteilung an. Während Bernard Arnault sie darin als „grandiose Führerin“ ankündigt, beschreibt Rihanna die Kooperation als einen „unglaublich speziellen Moment“, auf den sie ziemlich stolz ist. Weiter heißt es in ihren Worten aus einer zweiten Pressemitteilung vom 20. Mai:

“Frauen sind die Mächte dieser Welt. Wir sind facettenreich, komplex, verletzlich, zeitgleich aber auch kugelsicher. FENTY spricht all unsere Komplexitäten an. Manchmal will ich unterwürfig, an anderen Tagen aber völlig verantwortlich sein – an anderen Tagen wiederum beides. Es war daher zwingend notwendig, dass wir eine vielfältige Linie kreierten, die das nicht nur begrüßt, sondern auch zelebriert. Die Kollektionen kann man gut miteinander kombinieren, sodass sie im Kleiderschrank auch gut übereinander gestapelt werden können. Ich bin schon völlig aufgeregt und freue mich die Menschen in meinen Klamotten zu sehen.“

Rihanna trägt zum ersten Mal ihre FENTY-Sonnenbrille (14. Januar 2019)Dem ersten Werbeclip nach zu urteilen, erwarten uns in der ersten Kollektion/der ersten Launch vor allem schlichte Oversized-Klamotten sowie Sonnenbrillen und Schmuck. Und obwohl das Modelabel mit den Worten „für die Damenwelt“ vermarktet wird, lassen sich im Werbeclip auch männliche Models in den Designs wiederfinden. Vieles davon trug Rihanna die Wochen zuvor übrigens auch schon auf den Straßen der Welt herum… Das erste Produkt präsentierte sie uns daher schon am 14. Januar diesen Jahres am eigenen Körper. Preislich gibt es die Ware zwischen 180€ bis 1.400€ in der ersten Kollektion zu kaufen. T-Shirts starten bei 180€, Schmuck bei 310€. Zum Vergleich: Ein schlichtes weißes T-Shirt kostet bei der direkten Konkurrenz von Louis Vuitton 260€.

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