Warum Rihanna und Victoria’s Secret keine Freunde mehr werden… Die ganze Geschichte:

Rihanna bei der Victoria's Secret Fashion Show (2012)

Dass Rihanna mit 30 Jahren nicht mehr dieselben Werte und Einstellungen vermittelt, wie sie es einst mit 24 getan hat, haben wir euch bereits vergangene Woche erläutert. Ziemlich genau vor sechs Jahren stand Rihanna nämlich noch als Musical Act auf der Bühne der jährlich groß gefeierten Victoria’s Secret Fashion-Show. Heutzutage kann man sie damit jagen. Doch was ist in Zwischenzeit geschehen? Es sind ganz klare Meinungsverschiedenheiten, die schon im Jahr 2015 aufgekommen sind: Nachdem Rihanna drei Jahre zuvor bereits ihre „Unapologetic“-Hits „Diamonds“ sowie „Phresh Out The Runway“ in der Show präsentierte, will man sie erneut für einen Auftritt gewinnen. Da ihr darauffolgendes Studioalbum „ANTI“ eigentlich im November 2015 erscheinen sollte (und nicht erst im Januar 2016) und Rihanna die Promotion vor einem Millionenpublikum gut gebrauchen kann, sagt sie den Termin auch zu. Doch nur eine Woche vor der geplanten Aufzeichnung sagt Rihanna wieder ab. Der offizielle Grund: Sie muss sich auf die Aufnahmen des Albums konzentrieren.

Rihanna mit Jourdan DunnIm Netz machen sich derweil andere Gerüchte breit: Jourdan Dunn, ein 25-Jähriges dunkelhäutiges Model, das schon einige Male für VS über den Laufsteg gelaufen ist, wird aus der Show geschmissen. Kendall Jenner hingegen wird als neues Gesicht der Show angekündigt. Wenn man den Gerüchten glauben mag, ist das der wahre Grund – immerhin sind Rihanna und Jourdan (mittlerweile 28) auch gut befreundet. Als Rihannas Absage daher öffentlich wird, postet Jourdan noch folgende Worte ins Netz: „Fühle mich schon viel besser, jetzt wo auch Rihanna aus der Show ausgetreten ist.“

Doch es sollten noch einige Jahre vergehen, bis der Schlussstrich final gezogen wird. 2017 geht Rihanna nämlich unter die Unternehmer und zieht mit FENTY Beauty sowie Savage X Fenty zwei Firmen auf, die vor allem auf Diversität und Gleichberechtigung setzen. Ihr ist es wichtig Produkte zu entwerfen, die nicht nur eine breite Masse ansprechen, sondern vor allem Minderheiten, die sonst eher vernachlässigt werden. Sie bringt 40 verschiedene Nuancen an Foundation auf den Markt und entwirft Dessous von 32A bis 40DD. Auch ihre Werbung unterscheidet sich stark von der Konkurrenz: Slick Woods schwanger auf dem Catwalk von Rihannas Savage X Fenty Fashion Week-Show (12.09.2018)Slick Woods läuft als hochschwangere über ihren Catwalk und Damen mit Narben, Sommersprossen oder auch Kopftüchern zieren ihre weltweiten Kampagnen. Victoria’s Secret (kurz: VS) hingegen steht immer mehr in der Kritik: Die im Fernsehen ausgestrahlte Show hat nur noch halb so viele Zuschauer wie üblich, die Verkaufszahlen gehen dramatisch nach unten, 20 Stores schließen allein 2018, die Aktie des Mutterkonzerns sackt um die Hälfte ab und eine Studie der Investmentbank Piper Jaffray offenbart im Oktober 2018: Die Jugend von heute – und somit die Zielgruppe der Marke – verliert immer mehr das Interesse am Unternehmen. Rihanna kommt da mit Savage X Fenty gerade recht.

Savage hat keine bahnbrechenden Innovationen mit sich gebracht, doch ein junges Team an Designern und Creatives, hat zusammen mit Rihanna eine neue Welt geschaffen. Keine Fantasiewelt mehr wie sie von VS vorgeführt wird, sondern die blanke Realität. Selbst Rihanna lässt an ihren Kampagnen in knappen Dessous kein Photoshop mehr an ihre Bilder. Rihanna für Savage X FentyUnd genau das scheint anzukommen. Ihr Mutterkonzern TechStyle, wozu auch JustFab gehört, veröffentlicht zwar keine offiziellen Verkaufszahlen, doch erfolgreich muss es definitiv laufen. Immerhin war bei der diesjährigen New York Fashion Week sogar ein Slot für ihre Unterwäschekollektion frei – und Unterwäsche sieht man hier eher selten. Der letztendliche Höhepunkt im Streit zwischen Rihanna und VS wurde allerdings erst letzte Woche erreicht: Der Marketing-Chef von L Brands (dem VS-Mutterkonzern) kündigt im „VOGUE“-Interview an, dass er auf seinen Laufstegen, die nun mal eine „Fantasie“ wiederspiegeln, keine Transsexuellen sehen möchte. Auch fülligere Damen hätten auf dem Laufsteg nichts zu suchen. Der 70-Jährige Ed Razek verschlimmert damit das Image des 1977 gegründeten Labels – selbst seine Entschuldigung Tage darauf, kommt nicht wirklich an.

Als das Plus-Size-Model Louise O’Reilly das Interview zu lesen bekommt, ist auch sie enttäuscht und twittert zur Situation: „Ein gutes Beispiel dafür, dass Marken darauf achten sollten, wessen Meinung man der Öffentlichkeit präsentiert. Ich danke daher Rihanna, dass sie es mit Savage in diesem Jahr geschafft hat, mehr Aufmerksamkeit und Liebe für Diversität zu schaffen!“ Für den Beitrag gab es von Rihanna und selbst ihrer Mutter Monica auf Instagram ein fettes Like. Fragt man nämlich Rihanna, ist es ihr völlig egal, ob nun eine Frau, ein Mann oder eben ein/e Transexuelle/r zu ihren Castings erscheint. In Zukunft wird man Rihanna daher garantiert nicht mehr bei VS zu sehen bekommen – und wer weiß es schon: Eventuell ist Savage ja das nächste jährlich groß gefeierte und im Fernsehen ausgestrahlte Event rund um die heißeste Unterwäsche.

PS: Jan Singer, die 54-Jährige Geschäftsführerin von VS, hat ihren Job, den sie erst vor zwei Jahren angetreten ist, gestern an den Nagel gehangen und das Unternehmen verlassen…

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