Rihanna verschafft N.E.R.D. mit „Lemon“ ihren ersten Chart-Einstieg

Rihanna und Pharrell Williams 2015 bei The Voice USA

Schleppende Verkaufszahlen und dennoch ein Riesenerfolg: Denn während Rihanna mit „Lemon“ schon ihren 55. Top-60-Hit feiert, ist es N.E.R.D.s erster Charteinstieg überhaupt. Noch nie in der 15-Jährigen Bandgeschichte konnte das Trio eine Single in den amerikanischen Charts platzieren (aktuelle Peak: Platz 60). Album-Cover zu NERDs Natürlich könnte man jetzt behaupten, dass es vor allem hier heutzutage einfacher ist einen Hit zu landen, doch ändert das irgendetwas an der reinen Tatsache? Dabei kam die Veröffentlichung der gemeinsamen Single quasi wie aus dem Nichts. Dass N.E.R.D. nämlich ein Comeback feiert, wusste bis zum 1. November noch niemand. Heute erscheint nun das dazugehörige Album „No One Ever Really Dies“ im Handel. Gleich auf Track eins der Platte hört man dann auch schon Rihanna über den American-Funk-Beat rappen, hier dann aber gleich in der ersten Strophe. Denn noch vor Album-Veröffentlichung krempelte die Band den Song noch einmal um: Auf jeglichen Streaming-Diensten findet sich seit letzter Woche nämlich die „Edit“-Version wieder.

Vor allem in den USA kommt diese aktuell sehr gut an, immerhin gilt die Single gleich nach „Wild Thoughts“ als ihr aktuell meist gestreamter Song. Auch im Radio läuft der Song noch rauf und runter – und das übrigens auch in Deutschland. Single-Cover zu NERDs und Rihannas Bloß wirklich kaufen, will die Single in den USA wohl niemand: Allein in den ersten beiden Wochen waren schließlich nur 26.000 verkaufte Kopien drin. Vielleicht ist aber auch jeder gleich auf die Retro-Alternative umgestiegen? Schließlich erscheint zu der Single auch eine Vinyl-Ausgabe für umgerechnet ca. 20€ (inkl. Versand). Wer schon zur Song-Veröffentlichung zugegriffen hat, kann sich nun freuen: Ab dem 18. Dezember werden die Bestellungen nämlich endlich versandt. Für die deutschen Charts werden die aus Großbritannien verschifften Exemplare aber wohl kaum berücksichtigt werden. Und so kam es dann auch, dass es die Single außer seiner Peak auf Platz 24 der deutschen iTunes-Charts, nicht einmal in die Top 100 unserer Single-Charts schaffen konnte. Den größten Charterfolg feierte „Lemon“ derweil im Nachbarland: Belgien brachte den Song bis auf Platz sieben der lokalen Charts.

Aber was soll’s auch, immerhin ein Nischenprodukt gewesen. Große digitale Plakate in Toronto sowie am New Yorker Times Square und eine Werbekampagne für Beats waren dann aber schon noch drin. Immerhin sollte ja vor allem die Message dahinter an den Mann gebracht werden: Rihanna und Pharrell Williams (2007)„Fühlt euch frei, macht in einer unterdrückten Welt was ihr wollt und seid einfach ihr selbst.“ Was Rihanna und Pharrell Williams daher gesanglich wiedergeben, spiegelt im von Scott Cudmore und Todd Tourso eingefangenen Musikvideo hauptsächlich Tänzerin Mette Towley wider. Diese verriet im „The Fader“-Interview übrigens noch, dass Rihanna tatsächlich ihr Echthaar abrasiert habe. Sprich: Es gab nur eine einzige Möglichkeit die Szene gekonnt einzufangen. Die Choreografie stammt derweil von JaQuel Knight, der auch schon die Tanzschritte in Beyoncés „Single Ladies“ vorgab.

Und wenn wir schon mal über „unnützes Wissen“ zur Single sprechen, sollte uns allen noch klar sein, dass der Song eigentlich nie für N.E.R.D. bestimmt war. Auf der diesjährigen ComplexCon verriet Pharrell dem Publikum nämlich noch, dass „Lemon“ ursprünglich mal für ein Studioalbum von Puff Daddy produziert wurde. Rihanna und Puff Daddy bei den 2014 iHeartRadio Music AwardsAuf seinem Ende 2015 erschienenen Album „Money Making Mitch“ war der Song dann aber doch nicht mehr zu hören. Über zwei Jahre verweilte der Song somit im Privatarchiv, bis „Zitrone“ für das Comeback der Funk/Hip-Hop-Band mit den Gesangseinlagen von vor zwei Jahren wieder ausgekramt wurde. Selbstverständlich zu unserem Vergnügen, immerhin veröffentlichte Rihanna mit der Nummer in diesem Jahr gleich vier neue Kollaborationen. Neben „Selfish“, „Wild Thoughts“ sowie „Loyalty“, kam man somit ausschließlich auf Songs von männlichen Rappern dazu, mal wieder in ihre Stimme einzutauchen. Dass sie in den Medien daher auch schon als wahre Rapperin gefeiert wird, beweist uns nicht zuletzt auch ihre aktuelle und einzige Grammy-Nominierung: Die Zusammenarbeit mit Kendrick Lamar darf sich am 28. Januar 2018 in den Kampf um den begehrten Preis zur „Best Rap/Sung Performance“ begeben.

Und während Stars wie Lana del Rey, Tamar Braxton, Ariana Grande, Missy Elliott, Justin Timberlake, Cassie, Usher und auch Puff Daddy noch im „Lemon“-Fieber sind, dürfen auch wir noch aktiv daran teilhaben: Mit der #LemonDanceChallenge ruft uns Pharrell Williams noch selbst dazu auf, das Musikvideo doch einfach mal nachzustellen. Einen wirklichen Mehrwert gibt es dabei aber nicht – die Challenge ist mit keinerlei Contest verbunden.

Schreibe einen Kommentar