Rihanna versucht in Berlin Deutsch zu sprechen

Es ist zwar nun bereits eine knappe Woche her, da performte Rihanna noch im Berliner E-Werk als Teil ihrer „Unapologetic“-Promotion-Tour „777“ – die vergangenen Dienstag nach sieben Konzerten in sieben verschiedenen Ländern an nur sieben Tagen abgeschlossen wurde – doch uns fehlte bisher die Zeit um neben all den alltäglichen News noch hierüber zu berichten. Es war jedoch ein Tag über den einfach berichtet werden muss – daher hier unsere Review vom Berlin-Konzert am 18. November 2012, wo auch wir ganz vorn mit dabei waren:

„YOLO“ – wohl buchstäblich unser Motto für das vergangene Wochenende. Denn ohne wirkliche Perspektive und ohne absolute Bestätigung, ob uns überhaupt noch Einlass in die bis dato unbekannte Location gewährt wird, machten wir uns Sonntag früh gemeinsam mit einer weiteren deutschen Rihanna-Fanseite auf den Weg in die deutsche Landeshauptstadt. Ihr neu veröffentlichtes Studioalbum „Unapologetic“ tat uns auf der sechsstündigen Fahrt aus Nordrhein-Westfalen rein nach Berlin-Mitte im wilden Osten recht gut und so kamen wir gut gelaunt und die Songtexte alle auswendig gelernt um circa 15:00 Uhr auch vor Ort an. Zu viert angekommen, teilen wir uns nun in zwei: die eine Hälfte rennt Richtung Location, die uns erst wenige Minuten zuvor über E-Mail bestätigt wurde, um uns noch Freikarten zu sichern, die Stunden zuvor noch vor Ort verteilt wurden, während die andere Hälfte noch auf die Suche nach einen geeigneten Parkplatz mitten im Trubel ging. Wem auch immer zu danken ist, wir danken ihm, denn letztendlich hatte sich die lange Fahrt doch ausgezahlt: wir bekamen die limitierten grünen Armbändchen, die uns den Einlass garantierten. Nur wenige Minuten später folgten orange Bändchen, die den Abnehmern den Einlass nur gewähren, sollte noch genug Freiraum im Inneren vorhanden sein. Doch wir können froh sein, dass dies nicht mehr unser Problem war. Taschen ins Hostel gebracht und unmittelbar zurück an die Location: 16:00 Uhr. Bei gefühlten -30° Grad hieß es nun darauf zu warten, bis die Türen um 19:00 Uhr endlich geöffnet werden. Wieso man bereits drei Stunden vorher in der Kälte draußen ansteht? Natürlich wollten wir in die erste Reihe. Mit einer halben Stunde Verspätung ist es uns schließlich gelungen und wir standen tatsächlich in der ersten Reihe, nun aber endlich im Warmen. Doch die Temperatur war hier nicht mehr unser Problem, schließlich hieß es noch immer zu stehen und auch weiterhin zu warten: ihr erster DJ als „Voract“ bekannt als Congorock kam um 20:00 Uhr auf die Bühne und gab sein Mischpult genau eine Stunde darauf an seinen Kollegen DJ Reflix ab. Die Menge drückte von hinten immer weiter auf, schließlich hätte Rihanna um 21:00 Uhr laut Angaben auf den Tickets, bereits die Bühne betreten sollen. Ein kurzes Handzeichen von hinten wies Reflix jedoch darauf hin, dass er eine Stunde länger spielen solle, als er so oder so bereits überzog. Die geladenen Gäste in unserer unmittelbaren Umgebung waren immer noch in Partylaune – verständlich, schließlich stehen sie nicht seit nun über sieben Stunden auf den Beinen, nach einer sechsstündigen Autofahrt, nach nur zwei Stunden Schlaf. Das Gefühl zu beschreiben, als die DJs endlich die Bühne verließen, ist und bleibt einfach unbeschreiblich. Eins lässt sich definitiv sagen: es fiel uns ein gigantischer Stein vom Herzen – doch Rihanna ließ auch weiterhin circa 45 Minuten auf sich warten und kam erst um kurz nach halb zwölf endlich auf die Bühne. Die Anspannung stieg immer höher, als Rihannas persönlicher Bodyguard sich plötzlich vor der Bühne platzierte, Rihannas insgesamt sechs Wasserflaschen auf diese gebracht und zahlreiche Fotografen in den abgesperrten Bereich vor uns geholt wurden. Hätte Rihanna auch nur eine weitere Minute auf sich warten lassen, hätte die Situation wohl möglich auch eskalieren können: denn die ersten Buuh-Rufe ließen nicht lange auf sich warten und wenn sich mitten in der Menge schon jemand einen Joint anzündet, ist es nur zu erahnen, was alles hätte noch passieren können.

Sie kam zur wohl genau richtigen Minute vom linken Bühnenrand kurz vor ihrem Einstieg in die Talk That Talk-Single „Cockiness (Love It)“ angehüpft. Die Kameras liefen, doch richtig drauf halten konnte wohl niemand. Ob es an ihrem Outfit lag (Jacke von KTZ, Netztop mit Marihuana-Blatt-Aufdruck von Love Leather, Sonnenbrille von Tom Ford und Shorts von ihrem persönlichen Stylisten Adam Selman) oder tatsächlich an ihr selbst, doch es ist einem direkt aufgefallen, wie dünn Rihanna doch tatsächlich geworden ist. Besonders im Gesicht dank der XXL-Sonnenbrille noch einmal besonders betont fiel einem auf, dass Sie einige Pfunde weniger auf den Rippen hat. Doch die Menge ließ sich schnell mitreißen, die Songtexte kannte man, schließlich besteht die komplette Setlist ausschließlich aus den wohl größten Rihanna-Hits ihrer Karriere. Stimmlich klang Sie so gut wie noch nie zuvor, nicht einmal der kleine Raum ohne wirkliche Schalleffekte konnte ihre Stimmfarbe verstellen und so fing der Boden schnell durch den Bass der riesen Boxen und der Hüpferei der Fans an zu wackeln. Sich der Interaktion zu entziehen war unmöglich, die Menge wurde aus 777 Individuen zu einem Komplettpaket und zog jeden in einen Wahn, den Rihanna ihnen nur circa zwei Meter vor uns vorgab. Absolute Favoriten der Live-Performances waren unserer Meinung nach definitiv „Stay“ und „Diamonds“, schließlich hörte die bis dato kein anderer deutscher Fan oder Hater live auf deutschem Grund und Boden. Ihre Stimme kam besonders zu den ruhigen Songs zur Geltung, wohin hingegen diese zu Songs wie „Where Have You Been“ mit den bewusst laut gespielten Instrumenten auch mal völlig unterging. Wohl ein weiterer Highlight war ihre kurze Unterbrechung nach des achten Songs: man hätte in eine völlig andere Richtung schauen können und hätte bemerkt, wie sehr Rihanna heute doch schwitze. Eines ihrer mit Schweiß abgewischten Handtücher schmiss Sie bereits zuvor in die Menge, welches wohl morgen auf ebay zu finden sein wird (schwarz, um fakes zu umgehen), doch eins hatte Sie noch und hielt es auch fest in ihrer Hand, während Sie mit der anderen das vergoldene Mikrofon hielt um ein wenig deutsch zu lernen. Selbstverständlich wollte Sie wissen was „hot“ auf deutsch bedeute. Die Menge brüllte darauf los: „heiß, heiß, heiß“ – doch aufgrund ihres Akzents konnte Sie das „h“ nicht wirklich aussprechen und so klang ihre Version ein wenig wie „ice“ (zu dt.: „Eis“) und so wurde Sie aufgrund ihrer Gesichtsausdrücke während Sie gerade genau das Gegenteil ausspricht, von dem was Sie eigentlich sagen wollte, belächelt. Einmal sagte Rihanna sogar „Dankeschön“ und bedankte sich für den Beifall des Publikums, wenn mal die Lichter für kurze Zeit ausgingen, während Sie eben unbemerkt trinken wollte.

Typisch für Rihanna-Verhältnisse waren übrigens zahlreiche Hilfsmittel, die ihr von ihrer Crew überall aufgeklebt wurden. So klebten unmittelbar vor ihr auf der Mitte des Bühnenbodens nicht nur die Setlist des Abends, sondern auch tatsächlich der Name der Stadt, in der Sie gerade spielt. Es sei ihr jedoch verziehen, schließlich brüllte Sie uns zu jeder Gelegenheit „Berlin“ zu und kann den Namen der Stadt bei all dem Stress von sieben Konzerten in sieben verschiedenen Städten an nur sieben Tagen auch gerne einmal vergessen. Zum Schluss der Show ging jedoch alles recht schnell und unerwartet. Nachdem die Menge zu „We Found Love“ nämlich noch ein letztes Mal aufgedreht wurde und das Konfetti von den Decken herabregnete, sprang Sie mit Hilfe ihres Bodyguards die circa eineinhalb Meter hohe Bühne herunter, stellte sich für kurze Dauer auf das Absperrgitter, lächelte, verabschiedete sich und lief darauf rasch hinter die Bühne, während Sie noch immer ihre berühmt berüchtigten „Uhhuhh’s“ ins Mikrofon reinjaulte. Es war somit nun vorbei: zwei Stunden Schlaf, sechs Stunden Fahrt, sieben Stunden stehend Warten um sich Rihanna für circa 70 Minuten aus nächster Nähe mal wieder live anzusehen – übrigens das erste Mal in diesem Jahr auf deutschem Grund. Für Rihanna ging es nun Backstage, die Aufräumarbeiten und der Abbau der Bühne fingen bereits an, da ruft ihr Merchandise-Verkäufer wie auf dem Fischmarkt die Anwesenden dazu auf sich für 25€ drei verschiedene Rihanna-T-Shirts, für 20€ ein Top oder für ebenfalls 25€ eine Tragetasche mit Aufdruck zu kaufen. Wer hätte bei den ersten, neuen, offiziellen Fanartikeln seit ihrer LOUD Tour vor zwei Jahren schon widerstehen können? Draußen war es kalt und die einzige Möglichkeit noch nicht rausgeschmissen zu werden war es, sich einfach in der Umgebung der Fanartikel bzw. der Getränke aufzuhalten. Genau das war nun auch unser Plan. Ein kaltes Getränk war jetzt genau das Richtige. Schließlich konnten wir das letzte Mal vor über neun Stunden trinken und Rihanna machte uns mit ihren sechs Wasserflaschen inklusive Strohhalm jedes Mal regelrecht eifersüchtig, sobald Sie daran nippte. Irgendwann war jedoch auch dieser Tag hinüber und für uns ging es nun zurück ins Hostel, um zumindest für lediglich zwei weitere Stunden „auszuschlafen“, schließlich klopfte die Schule bzw. Arbeit am nächsten Tag bereits früh gegen unsere Träume und ließ uns zurück in die Realität treten. Man könnte uns für verrückt halten sich so viel Stress zuzueignen, obwohl einem nicht einmal versichert ist rein zukommen, doch letztendlich haben wir es geschafft und definitiv hat sich alles, aber auch wirklich alles, ausgezahlt. (Das Geld jedoch ging lediglich an Rihanna)

01. „Cockiness (Love It)“
02. „Birthday Cake“ (Remix)
03. „Talk That Talk“
Rihanna schmeißt ihr HTC-Handy in die Menge
04. „Wait Your Turn“
05. „Man Down“
06. „Only Girl (In The World)“
07. „Don’t Stop The Music“
08. „S&M“
Rihanna versucht „heiß“ zu sagen
09. „Unfaithful“
10. „Take A Bow“
11. „Hate That I Love You“
12. „Where Have You Been“ (mit „Take Care“ Elementen von Drake/Rihanna)
13. „What’s My Name“ (mit „Rack City“ Elementen von Tyga)
14. „Run This Town“
15. „Live Your Life“
16. „All Of The Lights“
Spricht zum Publikum
17. „Stay“
18. „Diamonds“ (mit „Diamonds from Sierra Leone“ Elementen von Kanye West)
19. „Umbrella“
20. „We Found Love“
Kommt von der Bühne und verschwindet durch rechten Seitenausgang